Nach einer langen Zeit haben die Präsidenten der Europäischen Union ihre Meinungsverschiedenheiten über die Vorgehensweise gegenüber Israel beigelegt und zu einer „dringenden humanitären Pause, die den Weg für einen dauerhaften Waffenstillstand in der Zukunft ebnen wird“, in Gaza aufgerufen. Dies geschah durch eine Erklärung, die am späten Donnerstag auf dem Gipfel in Brüssel veröffentlicht wurde, wodurch die Staats- und Regierungschefs der EU erstmals seit Oktober einen Konsens über eine Erklärung zum Nahen Osten erzielten. In einem aus acht Absätzen bestehenden Artikel äußerten die EU-Präsidenten ihre „tiefe Besorgnis über die Gefahr einer Hungersnot, die dadurch verursacht wird, dass nicht genügend Hilfe in den Gazastreifen gelangt“. Sowohl die EU als auch die USA erhöhten am Donnerstagabend den Druck auf Israel schrittweise. Ein von den USA vorbereiteter Resolutionsentwurf, über den im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen abgestimmt werden soll, fordert einen sofortigen Waffenstillstand im Zusammenhang mit der Freilassung aller Gefangenen in Gaza. In diesem Resolutionsentwurf der USA heißt es: „Es ist wichtig, einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand sicherzustellen, um die Zivilbevölkerung auf allen Seiten zu schützen, die notwendige humanitäre Hilfe zu leisten, das Leid zu lindern und sicherzustellen, dass der besagte Waffenstillstand mit der Waffenruhe einhergeht.“ Heute wird im UN-Sicherheitsrat über den Resolutionsentwurf abgestimmt. Ein europäischer Diplomat betonte im Gespräch mit dem Guardian, dass der Sprachwechsel der USA im Resolutionsentwurf den Weg für einen Konsens in der EU-Erklärung ebnet. Die humanitäre Katastrophe in Gaza verschlimmert sich von Tag zu Tag, während Israel plant, eine Offensive in der Stadt Rafah durchzuführen, wo Menschen Zuflucht gesucht haben. Das führt zu weiterer internationaler Besorgnis. Laut einer neuen Analyse von Satellitenbildern der Vereinten Nationen wurden seit Beginn der israelischen Offensive etwa 35 Prozent der Gebäude in Gaza zerstört oder beschädigt. Die Zahl der Todesfälle in der Region belief sich auf fast 32.000.